Die gute Nachricht steht im Gesetz
Wer im Übergangsbereich arbeitet, zahlt Beiträge aus einer künstlich verkleinerten Rechengröße. Aus 1.200 Euro Brutto werden für die Beitragsberechnung 1.083,25 Euro. Die naheliegende Sorge lautet: Wenn ich lange krank werde, rechnet die Krankenkasse dann auch mit dieser kleineren Zahl?
Nein. Paragraf 47 Abs. 1 Satz 7 SGB V sagt wörtlich, dass bei der Berechnung des Regelentgelts und des Nettoarbeitsentgelts die für die Beitragsbemessung und Beitragstragung geltenden Besonderheiten des Übergangsbereichs nicht zu berücksichtigen sind. Maßgebend ist das Entgelt, das Sie tatsächlich verdient haben. Was das ausmacht:
| Monatsbrutto | Reduzierte Einnahme (Formel 1) | Krankengeld aus dem echten Entgelt | Krankengeld aus der reduzierten Einnahme | Vorteil im Monat |
|---|---|---|---|---|
| 1.000,00 | 854,06 | 23,33 | 19,93 | 102,16 |
| 1.200,00 | 1.083,25 | 28,00 | 25,28 | 81,60 |
Alle Beträge in Euro, Krankengeld je Kalendertag, Vorteil bezogen auf einen Monat mit 30 Tagen. Die rechte Spalte ist die Rechnung, die viele befürchten, und die es so nicht gibt. Dieselbe Schutzregel existiert für die Rente in Paragraf 70 Abs. 1a SGB VI und für das Arbeitslosengeld in Paragraf 151 Abs. 1 SGB III, nachzulesen unter Die 5 häufigsten Midijob-Irrtümer.
Der Rechenweg in vier Schritten
- Regelentgelt bilden. Grundlage ist das laufende Arbeitsentgelt des letzten vor der Arbeitsunfähigkeit abgerechneten Entgeltabrechnungszeitraums, mindestens vier Wochen (Paragraf 47 Abs. 2 SGB V). Bei einem festen Monatsgehalt wird schlicht durch 30 geteilt: 1.200 Euro ergeben 40,00 Euro je Kalendertag.
- 70 Prozent nehmen. 40,00 Euro mal 0,7 sind 28,00 Euro. Das ist das Brutto-Krankengeld je Kalendertag, gezahlt für Kalendertage, ein voller Monat zählt mit 30 Tagen.
- Gegen den 90-Prozent-Deckel prüfen. Das Krankengeld darf 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts nicht übersteigen. Dieses Netto wird nach Satz 7 ebenfalls ohne den Übergangsbereich gebildet, also mit vollen Arbeitnehmerbeiträgen. Im unteren und mittleren Korridor greift der Deckel nicht, oben schon (nächster Abschnitt).
- Beiträge abziehen. Vom Brutto-Krankengeld gehen Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab, zusammen 14,17 Prozent des Krankengeldes. Aus 28,00 Euro werden 24,03 Euro Auszahlung.
Die Beiträge, die Ihr Arbeitgeber sonst aus den beiden Formeln des Übergangsbereichs errechnet, spielen dabei an keiner Stelle eine Rolle. Wie diese Formeln funktionieren, steht in Übergangsbereich 2026: die beiden Formeln Schritt für Schritt.
Krankengeld im Übergangsbereich 2026: die Tabelle
Alle Werte für Steuerklasse 1, ohne Kinderlosenzuschlag, mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag von 2,9 Prozent, gerechnet mit der Logik dieser Seite:
| Monatsbrutto | Regelentgelt je Tag | Krankengeld brutto je Tag | Abzüge je Tag | Auszahlung je Tag | Auszahlung 30 Tage | Midijob-Netto im Monat | Ersatzquote |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 700,00 | 23,33 | 16,33 | 2,31 | 14,02 | 420,60 | 670,63 | 62,7 % |
| 800,00 | 26,67 | 18,67 | 2,65 | 16,02 | 480,60 | 740,34 | 64,9 % |
| 1.000,00 | 33,33 | 23,33 | 3,31 | 20,02 | 600,60 | 879,79 | 68,3 % |
| 1.200,00 | 40,00 | 28,00 | 3,97 | 24,03 | 720,90 | 1.019,24 | 70,7 % |
| 1.500,00 | 50,00 | 35,00 | 4,96 | 30,04 | 901,20 | 1.214,31 | 74,2 % |
| 1.800,00 | 60,00 | 41,01 * | 5,95 | 35,06 | 1.051,80 | 1.385,14 | 75,9 % |
| 2.000,00 | 66,67 | 44,81 * | 6,61 | 38,20 | 1.146,00 | 1.493,59 | 76,7 % |
Alle Beträge in Euro. Die mit einem Stern markierten Zeilen sind durch die 90-Prozent-Grenze gedeckelt, dort liegen 70 Prozent des Regelentgelts über der Obergrenze. Die Ersatzquote vergleicht die Auszahlung in einem Monat mit 30 Tagen mit dem laufenden Netto aus dem Midijob-Rechner.
Der 90-Prozent-Deckel: im Midijob früher als gedacht
Die Obergrenze von 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts gilt für alle Beschäftigten. Im Übergangsbereich hat sie aber eine Besonderheit, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Satz 7 nimmt den Übergangsbereich nicht nur beim Regelentgelt heraus, sondern auch beim Nettoarbeitsentgelt. Die Kasse rechnet also mit einem fiktiven Netto, das entstünde, wenn Sie die vollen Arbeitnehmerbeiträge zahlen würden. Bei 1.800 Euro Brutto sind das 1.366,89 statt der tatsächlichen 1.385,14 Euro.
Dieses kleinere Netto senkt die Obergrenze. Der Effekt ist begrenzt, aber real: Er beträgt bei 1.800 Euro rund 16,20 Euro im Monat und erreicht sein Maximum von rund 22,20 Euro bei etwa 1.732 Euro Brutto. An der Obergrenze von 2.000 Euro verschwindet er wieder, weil dort beide Formeln des Übergangsbereichs ohnehin das volle Entgelt liefern (siehe Midijob oder Teilzeit über 2.000 Euro).
Wichtiger ist die Frage, ab welchem Brutto der Deckel überhaupt greift. Weil er am Netto hängt, entscheidet die Steuerklasse:
| Steuerklasse | Deckel greift ab Monatsbrutto | Krankengeld bei 2.000 Euro je Tag |
|---|---|---|
| 1 und 4 | rund 1.519,93 | 44,81 statt 46,67 |
| 2 | im Korridor nie | 46,67 |
| 3 | im Korridor nie | 46,67 |
| 5 | rund 1.117,93 | 37,52 statt 46,67 |
| 6 | rund 960,22 | 36,27 statt 46,67 |
Beträge in Euro, Werte nach der Lohnsteuer-Näherung dieser Seite, deshalb gerundet und nicht auf den Cent verbindlich. Die Botschaft ist trotzdem eindeutig: In den Steuerklassen 5 und 6 ist das Krankengeld schon in der Mitte des Korridors gedeckelt, weil dort viel Lohnsteuer das Netto drückt. Wer einen Midijob als Zweitjob in Klasse 6 ausübt, sollte das wissen, mehr dazu in Midijob als Zweitjob und Lohnsteuer im Midijob.
Was vom Krankengeld abgezogen wird
Krankengeld ist keine Nettoleistung. Wer vor der Arbeitsunfähigkeit renten-, arbeitslosen- und pflegeversicherungspflichtig war, bleibt es auch während des Bezugs. Nur die Krankenversicherung ist beitragsfrei, die Mitgliedschaft besteht nach Paragraf 192 Abs. 1 Nr. 2 SGB V ohne Beitrag weiter.
Bemessungsgrundlage sind 80 Prozent des Regelentgelts, das dem Krankengeld zugrunde liegt (Paragraf 166 Abs. 1 Nr. 2 SGB VI, Paragraf 345 Nr. 5 SGB III, Paragraf 57 Abs. 2 SGB XI). Bei 1.200 Euro Monatsbrutto sind das 32,00 Euro je Kalendertag:
| Zweig | Beitragssatz gesamt | Anteil der versicherten Person |
|---|---|---|
| Rentenversicherung | 18,6 % | 9,3 % |
| Arbeitslosenversicherung | 2,6 % | 1,3 % |
| Pflegeversicherung | 3,6 % | 1,8 % |
| Krankenversicherung | beitragsfrei | 0,0 % |
| Summe | 24,8 % | 12,4 % |
12,4 Prozent aus 32,00 Euro sind 3,97 Euro je Kalendertag oder 119,10 Euro im Monat. Die jeweils andere Hälfte trägt die Krankenkasse. Weil die Beiträge aus 80 Prozent, das Krankengeld aber aus 70 Prozent des Regelentgelts gebildet wird, entsprechen die 12,4 Prozent genau 14,17 Prozent des Brutto-Krankengeldes. Von 100 Euro Krankengeld werden also rund 85,83 Euro ausgezahlt. Wer mindestens 23 Jahre alt und kinderlos ist, zahlt zusätzlich den Zuschlag von 0,6 Prozent allein, insgesamt 13,0 Prozent oder 14,86 Prozent des Krankengeldes: bei 1.200 Euro Brutto 4,16 statt 3,97 Euro am Tag, die Auszahlung sinkt auf 23,84 Euro oder 715,20 Euro im Monat. Zum Zuschlag und zu den Abschlägen für Eltern: Kinderlosenzuschlag und Kinderabschläge.
Ein Nebeneffekt für die Rente: Während des Krankengeldbezugs zahlt die Kasse Rentenbeiträge aus 80 Prozent des Regelentgelts, bei 1.200 Euro also aus 960 statt 1.200 Euro im Monat. Statt 0,0231 Entgeltpunkten sammeln Sie 0,0185 je Monat. Eine lange Krankheit kostet also etwas Rente, aber deutlich weniger, als viele annehmen. Zur Systematik: Midijob und Rente.
Der eigentliche Punkt: die Lücke ist im Midijob größer
Die verbreitete Entwarnung "das Krankengeld wird aus dem vollen Entgelt berechnet" ist richtig, aber sie beruhigt zu früh. Denn der Vergleichsmaßstab im Alltag ist nicht das Brutto, sondern das, was sonst auf dem Konto landet. Und genau dort wirkt der Übergangsbereich in die andere Richtung.
Ein Beispiel: Bei 1.000 Euro Brutto zahlen Sie im Midijob nur 120,21 Euro Sozialabgaben statt 211,50 Euro. Ihr Netto liegt deshalb bei 879,79 Euro, das sind fast 88 Prozent des Bruttos. Das Krankengeld orientiert sich aber am Brutto und beträgt nach Abzügen 600,60 Euro. Ihnen fehlen also 279,19 Euro im Monat oder 31,7 Prozent.
Bei einer normalen Teilzeitkraft ohne Beitragsrabatt wäre der Abstand kleiner, weil deren Netto von vornherein niedriger liegt. Der Übergangsbereich verschiebt beides: Er macht den laufenden Monat besser und den Krankheitsfall vergleichsweise schlechter. Am unteren Rand ist der Effekt am stärksten, weil dort der Rabatt am größten ist:
- 700 Euro Brutto: 670,63 Euro Netto, 420,60 Euro Krankengeld, Ersatzquote 62,7 Prozent, Lücke 250,03 Euro.
- 1.200 Euro Brutto: 1.019,24 Euro Netto, 720,90 Euro Krankengeld, Ersatzquote 70,7 Prozent, Lücke 298,34 Euro.
- 2.000 Euro Brutto: 1.493,59 Euro Netto, 1.146,00 Euro Krankengeld, Ersatzquote 76,7 Prozent, Lücke 347,59 Euro.
Das ist kein Argument gegen den Midijob, sondern ein Planungshinweis: Die ersten sechs Wochen trägt der Arbeitgeber mit voller Entgeltfortzahlung, und erst danach entsteht diese Lücke. Wer im Übergangsbereich arbeitet und keine Rücklage hat, sollte die Zahl aus der Tabelle kennen, bevor er sie braucht.
Weihnachtsgeld erhöht das Krankengeld
Einmalzahlungen fließen mit ein. Nach Paragraf 47 Abs. 2 Satz 6 SGB V wird dem Regelentgelt ein Dreihundertsechzigstel des einmalig gezahlten Arbeitsentgelts hinzugerechnet, das in den letzten zwölf Kalendermonaten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit beitragspflichtig war.
Bei 1.200 Euro Monatsbrutto und einem Weihnachtsgeld von 1.000 Euro im Vorjahr steigt das Regelentgelt von 40,00 auf 42,78 Euro je Kalendertag, das Krankengeld von 28,00 auf 29,95 Euro. Das sind 58,38 Euro mehr in einem Monat mit 30 Tagen, und zwar für die gesamte Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Wie Einmalzahlungen im Übergangsbereich abgerechnet werden und wann sie die Jahresgrenze von 24.000 Euro gefährden, steht in Midijob mit Weihnachtsgeld.
Ablauf und Dauer
- Tag 1 bis Woche 6: Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber nach Paragraf 3 EFZG, in voller Höhe. Beiträge und Netto laufen unverändert weiter, der Midijob wird also ganz normal abgerechnet. Voraussetzung ist eine Wartezeit von vier Wochen ununterbrochenem Bestand des Arbeitsverhältnisses.
- Ab Woche 7: Krankengeld der Krankenkasse. Der Anspruch entsteht nach Paragraf 46 Satz 1 Nr. 2 SGB V von dem Tag der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit an, deshalb muss die Folgebescheinigung lückenlos und rechtzeitig ausgestellt werden.
- Höchstdauer: 78 Wochen innerhalb von je drei Jahren für dieselbe Krankheit (Paragraf 48 Abs. 1 SGB V). Die sechs Wochen Entgeltfortzahlung werden angerechnet, gezahlt wird das Krankengeld also längstens 72 Wochen.
- Während des Bezugs: Das Arbeitsverhältnis besteht fort, der Urlaubsanspruch entsteht weiter, gekündigt werden darf nicht wegen, aber auch nicht ohne Weiteres während der Krankheit. Details in Arbeitsrecht im Midijob.
Beginnt oder endet die Entgeltfortzahlung mitten im Monat, entsteht ein Teilentgeltzeitraum. Der Arbeitgeber rechnet das gekürzte Entgelt dann nach den Regeln für Teilmonate ab; rutscht es dabei unter 603,01 Euro, wird daraus kein Minijob, sondern es greift die Unterschreitungsregel. Beide Fälle stehen in Midijob im Teilmonat.
Kinderkrankengeld 2026
Wenn nicht Sie krank sind, sondern Ihr Kind, gilt Paragraf 45 SGB V. Für das Jahr 2026 wurden die erhöhten Werte verlängert: 15 Arbeitstage je Kind und Elternteil, höchstens 35 Tage im Jahr, für Alleinerziehende 30 Tage je Kind und höchstens 70 Tage. Ab 2027 gelten wieder die Regelwerte von 10 beziehungsweise 20 Tagen je Kind und 25 beziehungsweise 50 Tagen im Jahr.
Das Kinderkrankengeld beträgt 90 Prozent des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts, und über den Verweis in Paragraf 45 Abs. 2 SGB V auf Paragraf 47 Abs. 1 Satz 6 bis 8 SGB V gilt auch hier: Der Übergangsbereich bleibt außer Betracht, gerechnet wird mit dem fiktiven Netto bei vollen Beiträgen. Bei 1.200 Euro Brutto sind das rund 28,39 Euro je Ausfalltag statt der 30,58 Euro, die sich aus dem tatsächlichen Midijob-Netto ergäben, also rund 2,19 Euro weniger am Tag. Wurden in den letzten zwölf Monaten Einmalzahlungen gezahlt, steigt der Satz auf 100 Prozent. Die Obergrenze von 135,63 Euro je Tag spielt im Übergangsbereich keine Rolle.
Steuer: der Progressionsvorbehalt kostet im Midijob meist nichts
Krankengeld ist nach Paragraf 3 Nr. 1a EStG steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt nach Paragraf 32b EStG. Es erhöht also nicht das zu versteuernde Einkommen, wohl aber den Steuersatz, der auf das übrige Einkommen angewendet wird. Wer im Kalenderjahr mehr als 410 Euro solcher Leistungen bezogen hat, muss eine Steuererklärung abgeben (Paragraf 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG). Diese Schwelle ist im Midijob nach wenigen Krankengeldtagen erreicht.
Wie teuer das wird, zeigt ein Beispiel mit neun Arbeitsmonaten und drei Monaten Krankengeld in Steuerklasse 1:
| Monatsbrutto | Krankengeld im Jahr | Steuersatz mit Progression | Mehrsteuer |
|---|---|---|---|
| 1.000,00 | 1.801,80 | 0,00 % | 0 |
| 1.200,00 | 2.162,70 | 0,00 % | 0 |
| 1.500,00 | 2.703,60 | 0,16 % | 15 |
| 1.800,00 | 3.155,40 | 2,72 % | 317 |
| 2.000,00 | 3.438,00 | 4,33 % | 476 |
Beträge in Euro, Näherung nach dem Steuertarif 2026 ohne Kirchensteuer und ohne weitere Einkünfte. Im unteren Korridor bleibt das Einkommen selbst mit Progressionsvorbehalt unter dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro, es passiert also nichts. Ab etwa 1.500 Euro Brutto entsteht eine Nachzahlung, die im oberen Korridor spürbar wird. Die Steuererklärung ist dort trotzdem oft ein Gewinn, weil sie andere Erstattungen mitbringt, siehe Midijob und Steuererklärung.
Vier Fälle, in denen es anders läuft
- Entgelt unter 603,01 Euro. Ein Minijob begründet keine eigene Krankenversicherung und damit keinen Krankengeldanspruch. Wer dauerhaft unter die Untergrenze rutscht, verliert den Schutz vollständig. Der Vergleich steht in Minijob oder Midijob.
- Werkstudierende. Wer unter das Werkstudentenprivileg fällt, ist in der Beschäftigung kranken-, pflege- und arbeitslosenversicherungsfrei und hat aus ihr keinen Krankengeldanspruch, auch wenn das Entgelt mitten im Korridor liegt. Mehr in Midijob für Studierende.
- Altersvollrentner. Nach der Regelaltersgrenze besteht kein Anspruch auf Krankengeld, die Mitgliedschaft läuft dann über die Krankenversicherung der Rentner. Siehe Midijob für Rentner.
- Mehrere Beschäftigungen. Das Regelentgelt wird aus allen versicherungspflichtigen Beschäftigungen zusammen gebildet, jeder Arbeitgeber bescheinigt seinen Teil. Zur Aufteilung der Beiträge: Mehrfachbeschäftigung im Midijob.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Krankengeld im Midijob?
Das Krankengeld beträgt 70 Prozent des Regelentgelts, und das Regelentgelt wird aus dem tatsächlich erzielten Arbeitsentgelt gebildet, nicht aus der reduzierten beitragspflichtigen Einnahme des Übergangsbereichs. Paragraf 47 Abs. 1 Satz 7 SGB V ordnet das ausdrücklich an. Bei 1.200 Euro Monatsbrutto sind das 40,00 Euro Regelentgelt und 28,00 Euro Krankengeld je Kalendertag, also 840,00 Euro brutto in einem Monat mit 30 Tagen. Aus der reduzierten Einnahme von 1.083,25 Euro wären es nur 25,28 Euro am Tag. Vom Brutto-Krankengeld gehen noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung ab, sodass 24,03 Euro je Kalendertag oder 720,90 Euro im Monat ausgezahlt werden.
Was wird vom Krankengeld noch abgezogen?
Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. Beitragspflichtige Einnahme sind 80 Prozent des Regelentgelts, das dem Krankengeld zugrunde liegt. Der Versichertenanteil beträgt 9,3 Prozent Rentenversicherung, 1,3 Prozent Arbeitslosenversicherung und 1,8 Prozent Pflegeversicherung, zusammen 12,4 Prozent; die andere Hälfte trägt die Krankenkasse. Wer kinderlos und mindestens 23 Jahre alt ist, zahlt zusätzlich den Zuschlag von 0,6 Prozent allein, also 13,0 Prozent. Bezogen auf das Brutto-Krankengeld sind das 14,17 Prozent, mit Zuschlag 14,86 Prozent. Beiträge zur Krankenversicherung fallen während des Krankengeldbezugs nicht an, die Mitgliedschaft bleibt beitragsfrei bestehen.
Warum ist die Lücke beim Krankengeld im Midijob größer als bei normaler Teilzeit?
Weil der Beitragsrabatt des Übergangsbereichs nur das laufende Netto anhebt, das Krankengeld aber am Brutto hängt. Wer 1.000 Euro verdient, hat im Midijob rund 879,79 Euro netto, also fast 88 Prozent des Bruttos, bekommt aber nur 600,60 Euro Krankengeld ausgezahlt. Das sind 68,3 Prozent des gewohnten Nettos. Am unteren Rand des Korridors ist der Effekt am stärksten: Bei 700 Euro Brutto ersetzt das Krankengeld nur 62,7 Prozent des Nettos, bei 2.000 Euro sind es 76,7 Prozent. Der Beitragsrabatt macht den Midijob also im laufenden Monat attraktiv und die Krankengeldlücke gleichzeitig größer.
Weiterlesen
- Midijob-Rechner 2026: Netto und Beiträge berechnen
- Midijob und Krankenversicherung: Schutz, Leistungen, Beitragstabelle
- Die 5 häufigsten Midijob-Irrtümer
- Urlaub, Kündigungsschutz, Entgeltfortzahlung: Arbeitsrecht im Midijob
- Midijob und Arbeitslosengeld: Anspruch und Höhe
- Midijob mit Weihnachtsgeld: Einmalzahlungen im Übergangsbereich
Rechtsgrundlagen und Quellen: Paragraf 47 SGB V (Höhe und Berechnung des Krankengeldes: 70 Prozent des Regelentgelts in Absatz 1 Satz 1, Obergrenze von 90 Prozent des Nettoarbeitsentgelts in Satz 2, Zahlung für Kalendertage mit 30 Tagen je Monat in Satz 6, Ausschluss der Besonderheiten des Übergangsbereichs in Satz 7, Bemessungszeitraum und Hinzurechnung eines Dreihundertsechzigstels der Einmalzahlungen in Absatz 2), Paragrafen 44, 46, 48 und 192 SGB V (Anspruch, Beginn, Höchstdauer von 78 Wochen, Fortbestand der Mitgliedschaft), Paragraf 45 SGB V (Kinderkrankengeld, Verweis auf Paragraf 47 Abs. 1 Satz 6 bis 8), Paragraf 224 SGB V (Beitragsfreiheit in der Krankenversicherung während des Krankengeldbezugs), Paragrafen 166 Abs. 1 Nr. 2 und 170 SGB VI (beitragspflichtige Einnahme von 80 Prozent des Regelentgelts, hälftige Tragung), Paragrafen 345 Nr. 5 und 347 SGB III (Arbeitslosenversicherung), Paragrafen 57 Abs. 2 und 59 SGB XI (Pflegeversicherung), Paragraf 70 Abs. 1a SGB VI und Paragraf 151 Abs. 1 SGB III (dieselbe Schutzregel für Rente und Arbeitslosengeld), Paragraf 20 Abs. 2a SGB IV (Übergangsbereich 2026 von mehr als 603 bis 2.000 Euro, Faktor F 0,6619), Paragraf 3 EFZG (Entgeltfortzahlung), Paragrafen 3 Nr. 1a, 32b und 46 Abs. 2 Nr. 1 EStG (Steuerfreiheit, Progressionsvorbehalt, Pflichtveranlagung ab 410 Euro), alle über gesetze-im-internet.de. Erhöhte Kinderkrankengeldtage für 2026 nach dem Gesetz zur Erweiterung der Befugnisse und zum Bürokratieabbau in der Pflege vom 22. Dezember 2025, Werte nach dem Bundesgesundheitsministerium. Zur Beitragstragung aus dem Krankengeld: Haufe, "Krankengeld (Beiträge)"; Techniker Krankenkasse, "Beitragspflicht bei Krankengeldbezug"; betanet, "Krankengeld, Höhe und Berechnung". Beitragssätze 2026: Rentenversicherung 18,6, Arbeitslosenversicherung 2,6, Krankenversicherung 14,6 plus durchschnittlich 2,9 Zusatzbeitrag, Pflegeversicherung 3,6 Prozent, Kinderlosenzuschlag 0,6 Prozent. Vorläufiges Durchschnittsentgelt 2026 von 51.944 Euro nach der Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2026. Alle Brutto-, Netto- und Beitragswerte wurden mit der Rechenlogik dieser Seite für 2026 berechnet.
Alle Werte sind Näherungen zur Orientierung (Stand August 2026), keine verbindliche Entgeltabrechnung und keine Rechtsberatung. Die Krankengeldbeträge beruhen auf der Lohnsteuer-Näherung dieser Seite und können im Einzelfall abweichen; verbindlich ist allein die Berechnung Ihrer Krankenkasse auf Grundlage der Entgeltbescheinigung Ihres Arbeitgebers. Auskünfte zu Einzelfällen erteilen die Krankenkassen kostenfrei.